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13.10.2019 09:10 Alter: 2 days
Kategorie: BG

Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz – Erinnern, nicht vergessen

Auf der Suche nach den Spuren des Holocausts haben sich 22 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 des Beruflichen Gymnasiums der Peter-Paul-Cahensly-Schule Limburg gemacht. Gemeinsam besuchten sie die Konzentrationslager in Auschwitz und das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau.


Auschwitz gilt auch heute noch als Synonym für die Judenvernichtung und das systematische Töten in Konzentrationslagern während der Zeit des Nationalsozialismus. In Auschwitz und den dazugehörigen Lagern starben über eine Million Menschen durch die Nazis. Die Oberstufenschüler aus Limburg sahen die Baracken, in denen ihnen vor Augen geführt wurde, wie die Inhaftierten lebten und die meisten von ihnen auch starben. Die Schüler erfuhren vieles von Einzelschicksalen und den grausamen Lebensbedingungen.

Keine klassische Studienfahrt

„Wenn mach sich bewusst macht, was hier geschehen ist, wird man auch nachdenklich über sein eigenes Leben“, berichtet die Schülerin Daniela Prohorovic. „Dazu gehört vor allem, nicht bedingungslos auf andere zu hören, sondern auf unser Gewissen, vor dem wir uns jeden Tag rechtfertigen müssen.“ Wie alle Teilnehmer an der Gedenkstättenfahrt empfand Prohorovic die Tage in Polen sehr emotional. „Einige Schüler hatten beim Betrachten der Vernichtungslager Tränen in den Augen“. Niklas Gladysz fand die gesamte Situation in Auschwitz als sehr bedrückend: „Die Toraufschrift des Konzentrationslagers ‚Arbeit macht frei‘ klingt schon pervers, wenn man den geschichtlichen Hintergrund weiß und auch direkt vor Ort erfahren kann.“

Organisiert und durchgeführt wurde die Gedenkstättenfahrt durch Politiklehrer Sebastian Wendt und Religionslehrerin Kathrin Hagemeyer. „Auschwitz, ein Ort, den Schülern bislang nur aus dem Schulbuch oder aus Filmen kannten, ist ihnen sehr greifbar geworden“, so Sebastian Wendt. Bereits Monate zuvor hatten die Schüler sich in ihrer Freizeit und in einer Arbeitsgemeinschaft auf dieses Thema vorbereitet. Insbesondere standen bei den Vorbereitungen der lokale Bezug zur Stadt Limburg und seine Region im Mittelpunkt.

Am Beispiel der Limburger Familie von Max Rosenthal konnten die Schüler eine ganz persönliche Tragödie während des Nationalsozialismus kennenlernen. Rosenthals Sohn, Ernst Rosenthal, konnte als Siebenjähriger zusammen mit seiner Mutter Johanna in die USA fliehen. Rosenthal selbst konnte durch widrige Umstände nur nach Frankreich fliehen. Dort wurde er von der Wehrmacht verhaftet und am 9. September 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Zudem erforschten die Schüler die so genannten Stolpersteine in Limburg, kleine Pflastersteine vor den Wohnhäusern, in denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verhaftet und deportiert wurden. Aber auch ein Besuch im Museum des Fußballvereins Eintracht Frankfurt mit seiner Sonderausstellung „Kicker, Kämpfer, Legenden – Juden im Deutschen Fußball“ wurde der Bezug zu konkreten menschlichen Schicksalen aufgegriffen.

„Auschwitz darf sich nicht mehr wiederholen.“

Neben der geführten Besichtigung des Stammlagers und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau nahmen die Schüler an einem Workshop teil, der die pseudo-medizinischen Experimente in Auschwitz zum Thema hatte. „Wie Ärzte, die doch Leben retten sollen und sogar einen Eid darauf geschworen haben, im Auftrag des ‚Dritten Reichs‘ unter dem Deckmantel der Forschung unvorstellbare grausame Experimente an Menschen machten, sie quälten und töteten, war für mich äußerst erschreckend“, weiß Oberstufenschüler Gladysz emotional zu berichten. „Wenn man in der Gaskammer in Auschwitz steht und sich vorstellt, dass hier tausende von Menschen wie am Fließband von den Nazis vergast wurden – schrecklich.“ Auch habe Gladysz die Kratzspuren an den Wänden der Gaskammer der Menschen im Todeskampf gesehen. „Für mich und alle anderen Mitschüler ist ganz klar: So etwas darf sich auf der Welt niemals wiederholen.“

Außerdem besuchten die Schüler Auschwitz-Birkenau, wo das reale Leben der Häftlinge den Schülern gewahr wurde. Die Führung durch das riesige Gelände mit seinen Baracken, Wachtürmen, Gaskammern und Krematorien hat den Schülern schnell klargemacht, unter welch unmenschlichen Lebensbedingungen die Menschen dort zu Tausenden wie Tiere eingepfercht wurden. Lehrerin Hagemeyer: „Es hat die Gruppe schockiert, zu sehen, dass in einem Bett, das nur ein wenig größer als das eigene war, sechs Häftlinge, ohne Matratze oder Kissen schlafen mussten.“ Auch kamen die Häftlinge nicht nur durch die Tötungen der Nationalsozialisten ums Leben. Zahlreiche starben in den Lagern durch Unterkühlung, mangelnde Hygiene und Unterernährung

„Den Jugendlichen ist klar geworden, dass dieser bedrückende Ort in Zukunft von vielen Menschen weiter besucht werden soll, um die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig zu halten und Gegenpole zu rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft zu setzen“, so Lehrer Wendt.

Besuch in Krakau

Nach einem dreitätigen Besuch in Auschwitz fuhr die Gruppe weiter nach Krakau, wo unter anderem das jüdische Viertel besichtigt und ihnen weitere Zeugnisse der jüdischen Geschichte vor Augen geführt wurden. Neben dem alten jüdischen Friedhof wurde auch durch die Remuh-Synagoge geführt. Daneben besichtigte Gruppe die ehemalige und jetzt zu einem Museum ausgebaute Emaillefabrik von Oskar Schindler, ein Industrieller, der während des Horror-Regimes der Nazis gemeinsam mit seinem jüdischen Mitarbeiter Itzhak Stern rund 1.200 ihm zugewiesene jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung rettete. „Dass es in der schrecklichen Nazi-Zeit Menschen gab, die sich dem Schlechten trotz eigener Gefährdung entgegengesetzt haben, lässt mich doch noch an das Gute im Menschen glauben“, so die Schülerin Daniela Prohorovic. Besonders im Gedächtnis bleibt den Schülern das Zeitzeugen-Gespräch mit Lydia Maksymowicz, die als Kind ebenfalls in Birkenau gefangen war und von ihren Erlebnissen berichtete.

Alle Besichtigungen sowie die Gespräche mit Zeitzeugen wurden gezielt reflektiert, um den Jugendlichen eine Möglichkeit des Austausches zu geben und ihre emotionalen Eindrücke verarbeiten zu können. Zudem notierten die Schüler in ihren Tagebucheinträgen ihre ganz persönlichen Empfindungen.

„Die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Schicksal von Max Rosenthal und anderen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, die Begehung der Stolpersteine in Limburg, die alle an Opfer der NS-Diktatur erinnern, die Vor- und Nachbereitung der Gedenkstättenfahrten im Unterricht, die Fahrten selbst, die Gedenkminute für Max Rosenthal an der so genannten Rampe in Auschwitz-Birkenau, die Präsentationen der Fahrten und der Austausch mit Zeitzeugen – die Durchführung von der Gedenkstättenfahrt, dass wir uns mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte intensiv beschäftigen, das ist uns als Schule, das ist mir persönlich sehr wichtig“, so der Schulleiter der Peter-Paul-Cahensly-Schule, Detlef Winkler.


Foto: Gruppenfoto auf der Wavel in Krakau

Unterstützt wurde die Gedenkstättenfahrt durch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Limburg, die die offizielle Trägerschaft übernahm. Über das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund konnten Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestellt werden, die sich an Jugendprogramme von überregionaler Bedeutung finanziell beteiligt.

Foto: PPC-Schüler in Auschwitz mit der Überlebenden Lydia Maksymiwicz (Zeitzeugengespräch)

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Zeppelinstr. 39
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