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13.05.2019 20:37 Alter: 37 days
Kategorie: Schule allgemein Schule allgemein

IT-Sicherheitsexperte Ulrich Heun: „Jeder Zweite ist Opfer von Cyberkriminalität“

Datendiebstahl, Betrug, Belästigung: Jeder zweite Nutzer in Deutschland fällt der Internetkriminalität zum Opfer. Der Limburger Datenschutz-Experte Ulrich Heun hat dazu vor Berufsschülern der Peter-Paul-Cahensly-Schule Limburg einen Vortrag gehalten.


Zu Beginn des Vortrages machte Ulrich Heun, geschäftsführender Gesellschafter der Limburger CARMAO GmbH, den Berufsschülern aus den Bereichen Industrie, Bürowirtschaft und Bank klar: „Eine hundertprozentigen Schutz vor Cyberkriminalität gibt es nicht“. Was man über das Thema Daten- und Informationssicherheit wissen sollte und wie man sich am besten vor solchen virtuellen Angriffen schützen kann, wurde im Vortrag in den Räumlichkeiten der Peter-Paul-Cahensly-Schule anschaulich dargestellt. Die Veranstaltung diente vor allem dazu, den angehenden Kaufleuten für mögliche Gefahren im beruflichen und privaten Bereich zu sensibilisieren und dadurch ein besseres Bewusstsein für die Thematik zu generieren.

Für Ulrich Heun, der in seinem beruflichen Alltag hauptsächlich als Berater und Trainer für Informationssicherheit aktiv ist, ist die Cyberkriminalität ein Thema, das jeden betreffen kann. „Täter greifen stets den Menschen an und nicht die Maschine“, so Heun. Aktuelle Computer und Geräte seien eigentlich sicher, wenn man sie kaufe. Der Risikofaktor sei der Mensch.

Die Gefährdung wachse nach Ansicht des Limburger Unternehmers auf zwei Wegen: Zum einen sei die Technik der Hacker so weit ausgereift, dass auch Kriminelle ohne vertiefte IT-Kenntnisse die auf dem Schattenmarkt angebotene Infrastruktur zu nutzen wissen. Zum anderen würden viele Unternehmen und Privatpersonen ganz freiwillig, allerdings unwissend, Dritte an ihrem Wissen teilhaben lassen. Smarte TV-Geräte, die sich verführerisch bequem per Geste oder Sprache steuern lassen, hören und sehen mit. Einfach, weil die Technik ohne permanent angeschaltete Kamera und Mikrophon nicht funktionieren würde. Vermeintlich günstige Hardware wie Webcams entpuppen sich, weil ungeschützt und ungeprüft, als vollkommen legale Einfallstore für ungewollte Beobachter und Mithörer.

„Das vom US-Unternehmen angebotene Elektroauto Tesla Model 5 lässt sich von fern kapern, indem Kriminelle Einfluss auf die Steuerung und Funktion des Fahrzeuges nehmen“, so Heun. Fahrer könnten in die unangenehme Situation kommen, dass ihr Fahrzeug von fern gesteuert würde. Hinter dieser Form der modernen Cyberkriminalität stecken oft organisierte kriminelle Banden, die Millionenbeträge investierten würden, um Zugänge und Benutzerkonten zu knacken. Selbst vor Stromversorgern werde kein Halt gemacht. „Angriffe auf die Infrastruktur eines Landes können nicht ausgeschlossen werden“, verdeutlichte der Risikoanalyst den Berufsschülern, der selbst einen nationalen Notstand nicht ausschließen kann.

Die Hölle des Internets

Internetsuchmaschinen wie Google kennen nur einen Teil des Internets. Was die Suchmaschinen nicht automatisiert erfassen, bezeichnet man Deep Web. Und dann gibt es noch das Darknet, technisch gesehen ein komplett verschlüsselter Bereich des Internets. Die Idee hinter den Online-Darknets ähnelt dem Konzept der Geheimbünde. Diese treffen sich an Orten, von denen nur Eingeweihte wissen, was sich wann und wo abspielt. Aufs Internet übertragen heißt das: Darknets setzen auf die gleiche Technik wie alle anderen Internetdienste und wären im Prinzip für jeden zugänglich. Vorausgesetzt, man verwendet die richtige Software und weiß, wonach und nach wem man suchen muss. In der Regel würden anonyme Online-Shops von den Nutzern aufgerufen, die nach illegalen Angeboten wie Waffen, Drogen, Auftragsmörder oder Kinderpornografie suchen. Bezahlt werde dann mit der Kryptowährung Bitcoin, die ebenfalls ohne Nennung des Zahlenden auskomme. Die Täteranalyse sei nach Ansicht des IT-Risikomanagers Heun äußerst schwierig. Diese Personen würden sich außerhalb unseres Rechtsraums befinden. Daneben seien die Auslieferungsverfahren aus einigen Staaten der Welt mangelhaft.

Daten vermeiden

Diese Entwicklung bringt zunehmend auch Gefahren wie beispielsweise Angriffe durch Trojaner oder Viren mit sich: „Wer nicht vorsichtig genug mit seinen Daten umgeht, kann schnell Opfer von Phishing, Kontoausspähung bis hin zu Erpressung werden“. Selbst auf Facebook veröffentliche Fotos würden Metadaten wie Uhrzeit, Datum und GPS-Daten, so genannte Geo-Informationen zum Standort, enthalten.

Was also tun? „Öffnen Sie auf keinen Fall Anhänge von E-Mails, dessen Absender Sie nicht kennen“, rät Heun den PPC-Schülern. Hacker würden nämlich mit einer Schadsoftware versuchen, einen Zugang zu den Rechnern zu bekommen. Eine ständige Aktualisierung der Sicherheitssoftware und die Nutzung von verschiedenen Passwörter für verschiedene Accounts seien empfehlenswert. „Machen Sie Ihre Passwörter aus einer Kombinaiton von Buchstaben, Zahlen und Zeichen sicher“. Noch immer würden PC-Nutzer als Passwort „12345678“ oder ihren eigenen Vornamen nehmen.

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