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23.04.2018 08:11 Alter: 61 days
Kategorie: Schule allgemein Schule allgemein

ZDF-Experte Theveßen: „Es gibt keinen Kampf der Kulturen“

Anlässlich des 7. Cahensly-Tages war der stellvertretender ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen in der PPC-Schule Gastredner zum Thema „Islamistischer Terror oder Kampf der Kulturen?“.


Eine Antwort auf die Frage habe Elmar Theveßen vor zahlreichen Interessierten aus der Schülerschaft des Beruflichen Gymnasiums und den Lehrkräften sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft der Region geben können.

„Es bedeutet selten etwas Gutes, wenn ich in den Nachrichtenprogrammen des ZDF auftrete“, so Elmar Theveßen. „Dann hat es wieder irgendwo auf der Welt einen größeren Terroranschlag mit zahlreichen Opfern gegeben“. Der studierte Politikwissenschaftler gelte im ZDF als der Terrorismusexperte, der immer wieder versuche, plausibel zu erläutern, was hinter dem Geschehenen stecken könne.

Aktuell gebe es keinen „Kampf der Kulturen“, sondern es gebe vielmehr Extremisten auf der islamistischen wie auf der rechtsextremen Seite, die unserer demokratischen Gesellschaft dies Glauben machen wollten. Denn nur auf diesem Wege könnten die Extremisten junge Menschen für ihre Ideologie gewinnen und diese weltweit verbreiten. Nach Ansicht Theveßens sei die Rechtfertigung für Gewalt durch eine Verfälschung des Islams entstanden. Ausgaben des Korans mit Interpretationen in den Fußnoten, die die Aussagen verfälschen würden, würden heute in zahlreichen Moscheen verteilt.

Ideologische Grundlage zur Nachwuchswerbung

„Ein Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Terroristen sehe ich nicht“. Der ehemalige ZDF-Korrespondent für Nordamerika wies zudem darauf hin, dass Terroristen nicht als Flüchtlinge nach Europa gekommen seien. Sie seien hier aufgewachsen und könnten europäische Pässe vorweisen. Eine Radikalisierung finde hier in Europa statt. Mit steigender Entfremdung und Perspektivlosigkeit sollten Muslime in Deutschland ermuntert werden, sich dem Jihad, dem Heiligen Krieg, anzuschließen. Es gehe um den Kampf der westlichen Werte und um den Kampf des „fruchtbaren Bodens“, die jungen Menschen also, die sich leicht radikalisieren ließen. Für Theveßen sei die von Rechtspopulisten betriebene Polarisierung der Gesellschaft daher Wasser auf die Mühlen der Islamisten

Strategie der Tausend Nadelstiche

Große Anschlagsziele stünden bei den Islamisten nicht mehr im Mittelpunkt, vielmehr würden sie auf kleine Attacken setzen, die eine Spaltung der Gesellschaft durch Furcht und Panik herbeiführen solle. Dazu würden einfachste Mittel verwendet, wie zum Beispiel Lastkraftwagen, die in Menschenmengen fahren und töten, und Bomben in Rucksäcken, wie die Anschläge in Paris und Brüssel gezeigt hätten. Diese Strategie bezeichnete Theveßen als „Strategie der Tausend Nadelstiche“. Hier gehe es im Wesentlichen um die Gewinnung von Macht und Anhänger für den Terrorismus.

Was seien also die Ursachen, wodurch sich junge Menschen motiviert sehen den Terrorismus zu unterstützen? Theveßen verwies unter anderem darauf hin, dass 65 Prozent der Einwohner Nordafrikas unter 30 Jahre seien. Sie würden unter erbärmlichen Umständen in Slums und Wellblechhütten leben. Schlechte Aussichten auf Beschäftigung und ein Leben in diktatorischen Systemen würden Hassprediger dazu nutzen, dieser Gruppe einzutrichtern „Ihr seid Opfer“. Daneben würden sie dem Westen Doppelmoral in Bezug auf Freiheit und Gerechtigkeit vorwerfen. Die Zielgruppe der Jugendlichen hätte schließlich auch Osama bin Laden genutzt, und diese als „Ritter des Kampfes und der Schlacht“ bezeichnet.

Theveßen schlägt Maßnahmen wie den Abbau von Wohnsilos und die Schaffung neuer Schulen in den Städten vor. Unterstützt durch die Schaffung eines bezahlbaren Wohnraums. Die für den Terrorismus leicht ansprechbare Gruppe solle nicht von der demokratischen Gesellschaft isoliert werden. Polizei, Geheimdienste und das Militär würden eng bei der Bekämpfung des Terrorismus zusammenarbeiten, aber nicht bei der Bekämpfung der Ursachen. Hier müssten vor allem gesellschaftliche Gruppen wie zum Beispiel Schulen, Vereine und Firmen zusammenarbeiten. Es gelte eine bessere Organisation von Integration und die Bildung von Perspektiven zu schaffen. Im Hinblick auf die Flüchtlingslage in Deutschland und Europa gab Theveßen folgende Empfehlung ab: „ Der Kampf der Kulturen kann dauerhaft nur aufgehalten werden, wenn es gelingt, die Integration von Flüchtlingen als nationale Aufgabe voranzutreiben.“

Theveßen kritisierte die Ausbeutung von Ressourcen in afrikanischen Staaten, wodurch wie im Fall Somalia Kriminalität wachse, Arme als Mittel zum Überleben in Form von Piraten Schiffe überfallen und Flüchtlingsströme geschaffen würden. Auch solle die Europäische Union keine billigen Waren nach Syrien liefern. Hier würde die schwache Wirtschaftsstruktur zerstört. Daneben mahnte Theveßen die Politik an, angebotene Perspektiven an Bedingungen zu knüpfen und Regelverstöße hart zu ahnden: „Wir brauchen keine neuen Gesetze oder härtere Regelungen, sie müssen nur umgesetzt werden“.

Medien übernehmen wichtige Aufklärungsarbeit

Der ZDF-Experte verwies darauf, dass Medien bei ihrer Berichterstattung zum Terrorismus differenziert berichten müssten. Nachrichten dürften nicht verkürzt werden, da sie ansonsten zu einer stärkeren Polarisierung beitragen würden: „Nicht berichten wäre falsch“. Es gelte Hintergründe und Zusammenhänge zu vermitteln. Mit ihrer Berichterstattung würden seriöse Nachrichten zunehmend gegen die sozialen Medien kämpfen, die schnell Lügen verbreiten würden. „Wir brauchen Zeit für unsere Recherchen, um verantwortungsvoll und wahrheitsgemäß berichten zu können“, so Theveßen.

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